Prognosebericht für das zweite Halbjahr 2009
Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 kam es zu einer drastischen Verschärfung der Finanzkrise im ersten Quartal 2009. Seit dem Höhepunkt der Krise im März 2009 beruhigten sich die Märkte im zweiten Quartal 2009 deutlich. Eine deutliche Verbesserung der makroökonomischen Parameter wird für die erste Jahreshälfte 2010 antizipiert. Sofern diese Erwartungen nicht oder nicht in dem erhofften Umfang eintreten werden, ist auch hinsichtlich der Finanzmärkte – und insbesondere bezogen auf die Aktien- und Creditmärkte – wiederum mit erheblichen Belastungen zu rechnen.
Nach den heftigen Turbulenzen auf den Währungsmärkten rund um das Jahresende 2008 kam es auch bei den Währungen, welche für die Hypo Group Alpe Adria eine besonders wichtige Rolle spielen, in den ersten sechs Monaten 2009 zu einer Stabilisierung der Wechselkurse gegenüber dem Euro. Dies führte zu einem Rückgang der Volatilität und zu einer Erholung der für die Gruppe bedeutenden Währungen, wozu insbesondere die Kroatische Kuna und der Serbische Dinar zählen. In Serbien war diese Stabilisierung vor allem auf die Unterstützung durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) sowie die begleitenden Maßnahmen der Regierung und der internationalen Bankengruppen zurückzuführen. Für die zweite Jahreshälfte sind zwar Kursrückgänge bei den lokalen Währungen in unseren Märkten grundsätzlich möglich, jedoch sollten sich diese in einem überschaubaren und damit in den von den Marktteilnehmern prognostizierten Bandbreiten bewegen.
Die in den vergangenen Jahren sehr prosperierenden Realwirtschaften in den CEE-/SEE-Ländern haben zum Teil im ersten Halbjahr 2009 deutliche Rückgänge ihrer Wirtschaftsleistungen verzeichnen müssen und befinden sich nunmehr inmitten einer tiefgreifenden Rezession. Über die Dauer und deren Intensität sind sich die Wirtschaftsforscher derzeit allerdings noch uneins. Während die Märkte zum Teil bereits eine rasche Erholung prognostizieren, ist die Hypo Group Alpe Adria diesbezüglich zurückhaltender. Dies auch deshalb, da die negativen Auswirkungen aus der im Jahr 2007 begonnenen Finanzmarktkrise erst mit über einem Jahr Verzögerung auf die Realwirtschaft durchschlugen. Daher erwartet die Gruppe, dass die wesentlichen makroökonomischen Parameter (Arbeitslosenquote, Veränderung des Bruttoinlandsprodukts, Auftragseingänge der Industrie, Industrieproduktion, Nächtigungen im Tourismus) auch im zweiten Halbjahr 2009 und unter Umständen auch im Jahr 2010 noch negativ beeinflussend wirken wird.
Auch auf Seiten seiner Kunden sieht der Konzern auf absehbare Zeit die negativen Effekte dieser fast alle Wirtschaftsbereiche umfassenden Krise wirken. Die sinkende Nachfrage führt zu rückläufigen Umsätzen und letztlich Ergebnissen der Unternehmen, wodurch deren kurz- und mittelfristige Liquiditätssituation negativ beeinflusst wird. Die Unternehmen und Kunden wiederum können zur Überbrückung ihrer eigenen finanziellen Engpässe nur mit zunehmender Verspätung ihre Zahlungen bzw. Kreditrückzahlungen leisten. Damit stieg auch im Portfolio der Hypo Group Alpe Adria im ersten Halbjahr 2009 der Anteil jener Kunden, die sich mit ihren vereinbarten Rückzahlungen in Verzug befanden, sehr deutlich an. Da sich eine rasche Erholung der für die Gruppe relevanten Volkswirtschaften auch nicht unmittelbar abzeichnet, ist für das zweite Halbjahr 2009 keine Entspannung zu erwarten.
Ein weiterer und sehr wesentlicher Faktor für das Jahr 2009 wird die zukünftige Entwicklung der Marktpreise jener Objekte sein, welche auf Grund der Nichtbedienung der zugrunde liegenden Finanzierungsverträge einer Verwertung zugeführt werden müssen. Dies betrifft sowohl die Sicherheitenverwertung aus dem klassischen Finanzierungsgeschäft als auch vorzeitige Rückläufer aus dem Leasinggeschäft sowie Restwerte aus dem Operating-Leasinggeschäft. Hierbei konnte in den ersten sechs Monaten ein genereller Trend zu deutlich rückläufigen Sekundärmarktpreisen für Immobilien sowie für gebrauchte Fahrzeuge, Schiffe und Mobilien beobachtet werden, welche sich bereits deutlich auf die Höhe der im ersten Halbjahr 2009 gebildeten Kreditrisikovorsorgen ausgewirkt hat. Da auch aktuell auf dem Sekundärmarkt für solche Güter keine Trendumkehr bei den erzielbaren Preisen erkennbar ist, erwartet die Gruppe auch im zweiten Halbjahr das Erfordernis zur Bildung weiterer Kreditrisikovorsorgen.
In der zweiten Jahreshälfte wird der Vorstand seinen Schwerpunkt u.a. auf aktives Kreditrisikomanagement zur bestmöglichen Asset Protection legen.
Hinsichtlich der Entwicklung des Gesamtergebnisses der Gruppe, wird auf Basis der gesetzten Maßnahmen zur Ertragssteigerung im zinstragenden Geschäft sowie der restriktiveren Kostenvorgaben im Konzern mit einem klar positiven Ergebnis vor Risikovorsorgen gerechnet. Wegen der zuvor beschriebenen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Entwicklung der Risikovorsorgen erwartet der Vorstand für das Gesamtjahr 2009 ein negatives Konzernergebnis.
Der Vorstand wird jedoch in der zweiten Jahreshälfte 2009 – begleitend zu dem auf das Kreditrisiko gesetzten Schwerpunkt – auch alle hierzu erforderlichen Maßnahmen treffen, um den eingeschlagenen Umbau des Gesamtkonzerns sowie die Hebung interner Effizienzoptimierungen weiter voranzutreiben und das Gesamtprojekt zur nachhaltigen Ertragssicherung zügig abzuschließen.
