Brief des Vorstandsvorsitzenden
Sehr geehrte Kunden und Geschäftspartner,
sehr geehrte Aktionäre,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
der Jahrgang 2008 war wohl der einschneidendste in der Geschichte der internationalen Finanzindustrie. Große, weltweit agierende Banken gingen unter, mussten sich in die auch nicht mehr so starken Arme anderer Banken retten oder wurden verstaatlicht, um Schlimmeres zu verhindern. Nichts, aber auch gar nichts ist mehr, wie es war. Noch hält die Finanzkrise an, sie trifft auch die Realwirtschaft nachhaltig.
Selbst ein Finanzkonzern wie die Hypo Group Alpe Adria, der die Zeit genutzt hat, um sich neu aufzustellen, interne Abläufe und Prozesse neu zu organisieren und vor allem Risikopositionen zu reduzieren, konnte sich den negativen Auswirkungen, die jeden in der Finanzindustrie Tätigen getroffen haben, nicht entziehen. Auch wenn unsere Gruppe dank unserer zurückliegenden aktiven Portfoliobereinigungen bei den weltweit gravierendsten Schadensfällen nicht oder nur gering beteiligt war, waren die Auswirkungen dieser Krise auch bei uns spürbar. Ebenso blieben die Schwierigkeiten unseres Hauptaktionärs, der Bayerischen Landesbank (BayernLB), nicht ohne Einfluss auf unser Tagesgeschäft.
Insofern war es keine Überraschung, dass wir per Jahresende einen Verlust ausweisen mussten. Dieser Verlust mag nachvollziehbar und in der Krise unvermeidbar gewesen sein, er schmerzt dennoch und weckt zusätzlich unseren Ehrgeiz, zu zeigen, was in dieser Bank steckt.
Dies umso mehr, als unsere Bank insgesamt gut unterwegs ist und operativ wie bei unseren Kunden erfreulich vorankommen konnte und zugleich ihre interne Aufstellung massiv verbessert hat.
Genau deshalb war 2008 für die Hypo Group Alpe Adria eben kein verlorenes Banken-Jahr. Trotz widriger Umstände haben wir uns in vielen Belangen verbessert. So haben wir unser Filialnetz im Sinne unserer Kunden 2008 weiter verdichtet und auch unsere Marktstellung weiter ausgebaut, was sich im sehenswerten Wachstum unserer Kundenanzahl widerspiegelt. Operativ haben wir uns im Nettozinsergebnis wieder zweistellig gesteigert und auch eine weitere Erhöhung bei den Primärmitteln erzielt. Damit sehen wir uns in unserem Weg bestätigt.
Und nicht zuletzt gelang es, in den letzten Tagen des Jahres einen entscheidenden Schritt für die Sicherung unserer Substanz und unserer Zukunft auch in der Finanzkrise zu setzen.Nachdem unser Mehrheitsaktionär, die BayernLB, sich gemeinsam mit der Hypo Alpe Adria Mitarbeiter Privatstiftung entschlossen hatte, im Zuge ihrer konzernweiten Kapitalallokation die Hypo Group Alpe Adria im Wege einer Kapitalaufstockung zu stärken, hat auch die Republik Österreich der Hypo Alpe-Adria-Bank International AG als oberstem Kreditinstitut der Hypo Group Alpe Adria rund EUR 900 Mio. als Partizipationskapital zugeführt. Nach gründlicher Prüfung wurde uns der Status einer gesunden Bank attestiert. Es handelte sich bei den Geldern um die verzinsliche Beteiligung an der Aufstockung unseres Kernkapitals auf ein in der Krise international verlangtes Niveau. Gleichzeitig hat die Republik Österreich damit die Forderung an uns verbunden, unsere Rolle als Kreditgeber für die Wirtschaft unvermindert wahrzunehmen. Dies haben wir gern zugesagt. Damit verfügen wir auch nach den Maßnahmen zur Risikobereinigung über ein international akzeptiertes Kapitalisierungsniveau und können zuversichtlich in das Geschäftsjahr 2009 blicken, das zweifellos ebenfalls alles andere als leicht werden wird. Unser Dank gilt den Vertretern der Republik Österreich ebenso wie allen Anteilseignern, die die Bank dabei konstruktiv unterstützt haben.
Im Zuge der Finanzkrise hat die BayernLB einen Prozess der Redimensionierung begonnen. Wir haben für diesen Schritt hohes Verständnis und begleiten ihn konstruktiv. Gleichzeitig sehen wir es als unsere Pflicht an, dafür Sorge zu tragen, dass die unverändert hervorragenden Zukunftsaussichten in unseren dynamischen Märkten nicht durch zu kurzfristig orientierte Entscheidungen gefährdet werden. Wir sind sehr zuversichtlich, dass es uns gelingt, auch in einer veränderten Struktur unseres Hauptaktionärs unsere besonderen Stärken und Potenziale für alle positiv einbringen zu können. Die Hypo Group Alpe Adria jedenfalls ist bereit, ihren Beitrag zu leisten.
Der Bankenplatz Österreich hat 2008 besonders unter Beweis gestellt, wie schnell und pragmatisch er die richtigen Schritte für seine Banken und seine Wirtschaft zu ergreifen in der Lage ist. Wir fühlen uns als Bank in Österreich, als Kärntner Bank für Kärnten und für viele Märkte im Ausland, in denen wir seit langem schon keine Fremden mehr sind, mehr als wohl. Wir sehen darin auch die Verpflichtung, unseren Beitrag zu leisten für funktionierende Märkte, für erfolgreiche Unternehmen und für einen wachsenden Wohlstand der Menschen. Daran werden wir arbeiten – 2009 und in der Zukunft.
Ich gebe meine Funktion als Vorstandsvorsitzender mit 30. April 2009 ab. Im Zusammenhang mit der Mehrheitsübernahme der Hypo Group Alpe Adria durch die BayernLB habe ich den Vorstandsvorsitz übernommen, verbunden mit der Zusage, nach erfolgreicher Durchführung notwendiger Kapitalzuführungen und interner Restrukturierungen zu meinem eigenen Unternehmen, Berlin & Co., zurückzukehren. Heute kann die Bank auf kapitalmäßig und risikobezogen sicherer Grundlage in die Zukunft blicken, womit ich meine Funktion erfüllt habe und mich wieder auf mein Unternehmen konzentrieren kann.
Somit ist es mir ein besonderes Anliegen, mich in diesem Sinne bei unseren Kunden, Geschäftspartnern und Aktionären für ihre Loyalität und ihr Vertrauen zu bedanken. Ich bin überzeugt, dass die Hypo Group Alpe Adria als solides Bankinstitut auch 2009 im Sinne unserer Kunden das Beste geben wird. Ebenso gebührt allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die tagtäglich großen Einsatz zeigen und die hervorragenden Kundenbeziehungen verantworten, höchster Dank.
Ihr
Dr. Tilo Berlin
Vorsitzender des Vorstandes der
HYPO ALPE-ADRIA-BANK INTERNATIONAL AG
